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Schamanen
shamans_stepanov

Warum hier ein Beitrag zum Schamanentum? Na ja, zu den Themen "Hypnose" und "geistiges Heilen" passt's ja schon. Aber es gibt noch einen weiteren - und, wie ich finde, bedeutsameren - Bezug: Trans-/Inter-sexualität.

Der heutzutage allgemein verbreitete Ausdruck "Schamanismus" geht auf Mircea Eliade zurück, der in einem 1951 erschienenen Buch den bis dahin auf Sibirien/Zentralasien beschränkten Begriff auf seiner Meinung nach ähnliche Phänomene weltweit übertrug. Seither 'haben' wir also auch beispielsweise einen zentralamerikanischen oder einen afrikanischen Schamanismus, und als Re-Import der von Carlos Castaneda und Michael Harner (sowie ihrer Nachfolger) für "typisch schamanistisch" erachteten Ideen haben wir seit den 60er Jahren den Neoschamanismus im Westen.

Schaut man aber hinter diese modernen Umdeutungen und geht zu den Quellen des eigentlichen Schamanentums, nach Sibirien, so findet man Hinweise, dass ursprünglich eine Voraussetzung für eine(n) SchamanIn war, dass sie *trans* sein mußte. Zumindest TV, besser aber TG, und am besten TS oder intersexuell (Hermaphrodit).

Der Trans-Status ist also traditionell mit besonderen Kräften ausgestattet, auch in der keltischen Überlieferung gibt es deutliche Hinweise darauf, dass das früher auch in West- und Nord-Europa so war. Erst die Ausbildung der "modernen" Gesellschaftsordnung seit der Seßhaftwerdung, und insbesondere seit Beginn der Eisenzeit, brachte es mit sich, dass solche Naturbegabungen geächtet werden, stellen sie doch eine erhebliche Gefahr für die Machtansprüche von Adeligen, Priestern und ihren modernen Nachfolgern dar. Auf der Daoismusseite habe ich ja auch erwähnt, dass ich in meinem Daoismusverständnis zu den frühesten Überlieferungen tendiere. Und das hat seinen Grund eben darin, dass diese Überlieferungen aus einer Zeit stammen, die man auch in China als 'schamanisch' bezeichnen kann (Zeit der Wu).

Aber genauso, wie Transsexualität noch immer (insbesondere von konservativen/religiösen Kreisen) als gefährlich betrachtet und diffamiert wird, und somit trotz aller theoretisch gültigen Menschenrechte noch immer eine massive Stigmatisierung und gesellschaftliche Ausgrenzung der Betroffenen stattfindet, genauso sind auch die alten Kräfte nach wie vor da. Wundere dich also nicht, wenn in meiner Anwesenheit 'Dinge passieren', schon einfach so, und natürlich noch bedeutend mehr, wenn die Situation dazu auch noch mit sexueller Energie geladen wird.

 

Logischerweise können hierbei auch Heilungen auftreten, aber als Sexarbeiterin darf ich meine Tätigkeit aufgrund der deutschen Gesetzgebung nicht als "Therapie" darstellen (allenfalls als ‘geistiges Heilen’), jedoch darf ich zumindest diejenigen Besucher, die englisch lesen können, auf die Ausführungen eines Psychotherapeuten zum Thema verweisen:

"While prostitutes may feel and act like psychotherapists (the reverse is likely to be true, too), one difference between the two is clear: Prostitutes generally pretend to care about their clients, but their clients know they're pretending. Psychotherapists pretend to care about their clients, but their clients don't know they're pretending! Moreover, clients' belief that their therapists really care, i.e., love them, is considered a sign of psychopathology, e.g., "transference."

Which is the more confusing, knowing that someone is pretending, or not knowing that someone is pretending not to be pretending?"

 

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